Und dann ist auch noch die Backofenlampe ausgefallen. Ich war abgeklemmt von meinem geliebten Samstagnachmittagsprogramm, das ich am liebsten im Schneidersitz auf dem Küchenboden verbringe. Aber wie der Käse auf der Lasagne verläuft und dann braun erstarrt, war nur noch in Schemen zu erkennen. Und wie sich das Schokosoufflé in der weißen Keramik aufplustert, höchstens zu riechen. Die Mattscheibe blieb dunkel. Und die Tage wurden trist.

Sie wurden sogar sehr trist. Denn treiben Sie mal in einer Millionenstadt wie Berlin eine Backofenglühlampe auf. Ich kürze die Geschichte dieser Odyssee ab. Sie dauerte drei Wochen, führte mich durch mehrere Stadtbezirke und verschaffte mir die Bekanntschaft vieler kopfschüttelnder Fachverkäufer. Einer davon erklärte mir sogar, wegen der EU-Glühlampenverordnung würden die nicht mehr hergestellt: „Ick sach ma: Bis det als Enerjiesparleuchte uff‘n Markt kommt, könn’Se lange warten.“

Und da war er wieder, dieser eine Moment im Jahr, da mein Herd und ich in tiefen Beziehungsproblemen stecken. Er kommt regelmäßig im November, schließlich ist Wunschzeit, die Geschenkelisten werden länger, und warum soll man sich da nicht selbst was Gutes tun?

An meinem Herd, einst ein chromblitzendes Standgerät Marke Bauknecht, gibt es einiges auszusetzen. Die roten Lichter, die signalisieren, dass der Ofen eingeschaltet ist, haben sich schon lange verabschiedet. Sie sind aus den Halterungen gerutscht und verstauben irgendwo im Inneren der Armatur. Der Restwärmeanzeige vertraue ich auch nicht mehr richtig. Und ist das Ceranfeld selbst nicht auch schon ziemlich blind, denke ich mir in diesen Stunden des Zweifels. Muss ich denn warten, bis die wundgescheuerte Platte am Ende bricht?

Die Suche nach Backofenglühlampen führt einen auch vor andere Exemplare der Gattung Kochstelle – potentiell alles neue Lebensabschnittgefährten: den guten alten Gasherd, aber auch die neuesten Entwicklungen der Technologie. Etwa einen Induktionsherd mit Speedkochzonen – was immer das ist – und ausfahrbaren Sensorstäben im Kochfeld, die per Infrarot die Hitze im Topf messen und stabil halten. Wie ein Tempomat im Auto. Da ließe sich Milch einkochen, ohne dass sie überkocht. Außerdem computergesteuerte Öfen mit Pizzastein und Selbstreinigungsprogramm. Mit Tellerwärmschubladen, in denen man auch Fleisch vakuumverpackt stundenlang hineinlegen kann, um es bei niedriger Temperatur zu garen – der letzte Schrei moderner Kochkunst. Natürlich alles mit Halogen-Beleuchtung.

Schon lag ein Haufen Kataloge auf dem Küchentisch. Ich musste mich entscheiden. Und dachte an die vielen Spleens meines Gerätes, Macken, die durchaus liebenswert sind, wenn man mit ihnen umgehen kann. An der Stelle hinten rechts bräunt der Kuchen im Backrohr immer besonders schnell. Das lässt sich ausnutzen.Mit ein paar Drehungen wird mein Kuchen so schön wie in der Kochzeitschrift. Und irgendwo zwischen Stufe eins und zwei auf dem kleinen Kochfeld und mit einem bestimmten Topf ist mir die Milch noch nie übergekocht. Es hat Jahre gedauert, bis ich dieses, ja, interaktive Wissen über die Maschine angesammelt habe. Ein Haufen Erfahrung, der auf einmal unnütz sein soll?

Aus Zufall sind mir doch noch  Backofenglühlampen begegnet. Ich kaufte gleich mehrere. Und dann habe ich mich mit meinen Ofen in Klausur begeben und ihn richtig auf Vordermann gebracht. Eine Befriedigung, wie sie auch Autotüftler haben müssen: Das Chrom blitzt wieder, die Ceranplatte funkelt bis auf ein paar Stellen. Mein Samstagsprogramm läuft gefühlt in HDTV.

Dieser Text erscheint in der Kolumne Koch oder Gärtner am 26. 11. 2009 auf freitag.de