Rezepte zu entwerfen ist eine eigene literarische Disziplin. Wie ein Gedicht, eine Novelle, ein Essay. Ein Rezept kann sogar etwas Roman-haftes haben. Lesen Sie dafür Julia Child. Die große alte Dame der US-Fernsehküche, konnte in ihren Büchern über Seiten beschreiben, wie etwa ein Boeuf Bourguignon entstehen muss. Jedes Detail schien ihr wichtig bei einer Leserschaft, die sie am Herd für große Dilettanten hielt. Ihr erstes Kochbuch hatte sie deswegen in fünf Bänden konzipiert. Es wäre eine Enzyklopädie geworden, kein Verlag in den USA machte da mit. Aber der erste Band erschien, das war 1961, und ist bis heute eines der einflussreichsten Kochbücher in den USA.

Screenshot: recipelook.co.uk, Copyright: http://www.lindahoury.com/Screenshot: recipelook.co.uk, Copyright: http://www.lindahoury.com/

Das ist 50 Jahre her. Köche dürfen sich heute noch weniger Freiheiten bei den Rezepten nehmen. Da sind die Verlage streng. Sie bestehen auf die übliche Grammatik, denn Kochbücher gehören zur Service-Literatur. Also werden Rezepte uniform aufgeschrieben, als To-Do-Liste. Erst geht es ans Einkaufen, dann wird nach Nummern oder Spiegelstrichen geordnet der Ablauf der Zubereitung erklärt. Als ob die Zubereitung immer so schön funktionieren würde wie der Zusammenbau eines Ikea-Schrankes. Und man Kreativität, Sinnlichkeit und die eigenen Geschmacksnerven aus der Küche heraushalten könnte, wenn man nach Rezept kocht …

Ich freue mich deswegen immer, wenn ich Rezepte entdecke, die anders aufgeschrieben sind. Die an die Kreativität des Menschen in der Küche appellieren. Die als Partituren daherkommen und nicht als Checkliste.

Eine besonders schöne Form dieser Textgattung sind gemalte Rezepte, so wie man sie auf recipelook.co.uk betrachten kann. Viele auch grafisch begabte Köche posten dort immer wieder gezeichnete Rezepte. Kochen nach Bildern ist viel schöner als Kochen nach Zahlen.

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