Jeder findet es schön, mit einem Menschen zusammen zu sein, der kochen kann. Das ernährt, das bildet, das macht das Leben lebenswerter. Ich lese immer wieder, dass Frauen Männer schätzen, wenn sie Humor haben. Und wenn sie gern am Herd stehen, soll das auch ein Plus sein. Der folgende Text soll diesen Frauen als Warnung gelten. Vielleicht auch Männern, die sich an eine Köchin herangemacht haben. Das Zusammenleben mit einem Koch hat auch Schattenseiten: Ich dokumentiere im Schnelldurchlauf einen Dialog, der sich ungefähr so innerhalb von vier Jahren zugetragen hat.

Herbst 2008:

Er: Du, ich wollte heute mal Kaninchenkeulen schmoren.

Sie: Toll, das hast du lange nicht gemacht. Mit Backpflaumen?

Er: Ja. Und ich will Polenta dazu machen. Das passt sehr gut.

Sie: Ach, mach doch lieber Nudeln. Oder die guten Kartoffelklöße. Oder Gnocchi …

Er: Ich wollte aber endlich mal Polenta machen. Ich mag das.

Später beim Essen: Sag mal, du isst gar keine Polenta.

Sie: Hab ich doch gesagt, dass ich die nicht mag. Ich esse lieber Kaninchen. Gibt es noch eins?

Herbst 2009:

Er: Duu, ich hab mal wieder Lust auf Polenta. Haben wir schon lange nicht mehr gegessen.

Sie: Doch, erst neulich zu dem leckeren Kaninchen. Ich fand die aber soo langweilig.

Eine Woche später:

Er: Überraschung. Ich habe Polenta gemacht.

Sie: Ach, du mit deiner geschmacklosen Maispampe.

Er: Nein keine Pampe: Ich habe die Polenta fest werden lassen. Und in Scheiben geschnitten. Die bräunen gerade im Toaster.

Sie schnauft.

Beim Essen sagt er: Ich glaube, ich mache das jetzt immer so: Außen ist die Polenta richtig kross, wenn man die Scheiben anschneidet, wird es cremig.

Sie: Ich habe mir gerade die Zunge verbrannt.

Er: Jetzt sag mal, was magst du daran eigentlich nicht?

Sie: „Mögen“ ist das falsche Wort. Ich finde es auch nicht eklig. Es schmeckt einfach nach – wenig. Einfach uninteressant. Ich versteh auch nicht, wie du dir das immer im Restaurant bestellen kannst. Polenta nimmt nicht einmal Soße auf. Du kannst doch so viele Sachen kochen, die besser schmecken.

Wieder zwei Wochen später:

Er: Ich habe einen Polenta-Auflauf getestet. Mit viel Tomatensoße, und mit Käse überbacken. Ich glaube, das könnte dir …

Sie: Du, sorry. Heute Abend habe ich gar keinen Appetit.

Herbst 2011:

Sie: Hey, du hast Mehl eingekauft. Das sieht ja interessant aus. So gelb. Machst du Kuchen?

Er: Das ist Maisgries. Hat mich einfach angelacht im Laden. Ich muss mal sehen, was sich damit machen lässt. Vielleicht Grießpudding …

Sie: Au ja, das hab ich das letzte Mal, ach, ich weiß nicht mehr, gegessen.

Drei Tage später:

Sie kommt in die Küche: Sag mal, das im Topf kenn ich doch. Das ist doch dieses fiese Zeugs …

Er: … das du nicht magst, ja, ja. Polenta. Ist auch nicht für dich. Sie: Aber warum riecht das so gut? Da ist irgendwas drin. Ich probier mal …

Er: Finger weg. Ist noch nicht fertig.

Sie probiert doch: Wow, das schmeckt gar nicht mehr nach alter Matratze.

Er: Ja, ich habe Gewürze geröstet: Fenchel und ein bisschen Koriander, und sie dann gemahlen. Macht sich gut, nicht?

Herbst 2012:

Sie nach einem großen Essen:

Schade, von der Polenta ist gar nichts mehr übrig. Ich dachte, die würde auch noch für morgen reichen. Machst du uns noch mal welche?

Er: Ach weißt du, ich weiß doch jetzt, wie man die kocht. Ist doch irgendwie langweilig.

Foto: mickydelfavero /CC