Dortmund gehörte neben Berlin und München einst zu den Bierhauptstädten Deutschlands. Das dort gebraute Export war nicht nur beliebtes Arbeiterbier, es fand weit über die Grenzen des Ruhrgebiets Freunde. So viele, dass die Stadt einmal Europas größter Bierproduzent war. Daran erinnert heute nur noch das Dortmunder „U“, der Buchstabe, der das einstige Gärhochhaus der Union-Brauerei krönt. Von 35 Brauereien, die noch in den siebziger Jahren süßlichen Malzdunst durch die Straßen schickten, ist keine mehr übrig. Dortmund wurde ein Opfer des Pils, das bald mit Macht in Mode kam. Die Ruhrstadt trocknete aus, und damit wurde nicht nur Export-Biere selten, sondern auch andere Dortmunder Bierstile.

methusalemEs hat daher auch mit Archäologie zu tun, wenn eine Brauerei sich wieder an einem typischen Dortmunder Bier versucht. Bei der Vormann-Brauerei in Hagen wird nun ein Adambier hergestellt, ein Bräu, das die Dortmunder schon im Mittelalter kannten: Es ist ein dunkles, obergäriges Starkbier, in etwa vergleichbar mit dem Altbier am Niederrhein. Der Unterschied ist nur: Es ist leicht sauer. Ein Jahr mindestens wurde es gelagert, um die richtige Säure zu entwickeln.

Das Methusalem, wie die Neuschöpfung heißt, ist ein süffiges Starkbier, das seinen Alkoholgehalt von 10 Prozent gekonnt verbirgt. Es ist von dunklem Rotbraun, der eierschalengelbe Schaum vergeht schnell, schickt aber noch Karamelltöne in die Nase, die an getrocknete Früchte erinnern. Das Methusalem schmeckt aber nicht sauer, sondern fruchtig-vollmundig. Man denkt an Apfelkraut. Der Abgang ist dann wiederum von würzigem Lakritzaroma, das aber schnell verfliegt. Was gut ist. Echter Süßholzgeschmack ist im Mund einer der langlebigsten.

The Monarchy Methusalem, Vormann-Brauerei Hagen, 10 % Vol. Alkohol