Ein Bayer für Südafrika

Nichts auf dem Etikett weist darauf hin, dass in diese Flasche etwas ganz Bayerisches abgefüllt wurde. Das hat mich neugierig gemacht. Denn zur bayerischen Weltläufigkeit gehört ja sonst, dass sie sich vor allem nach außen hin so krachledern wie möglich zeigt.

Beast of the deepDoch hinter dem Beast Of The Deep stehen keine Bayern, sondern steht ein Mann aus Kapstadt. Rui Esteves sattelte von Kaffee auf Bier um, als die Craft-Beer-Welle vor acht Jahren sein Land erfasste. Er wurde einer ihrer Köpfe mit einer seltsamen Idee. Er ließ nicht in Südafrika oder in den Ursprungsländern des neuen Biertrends brauen, in den USA oder Großbritannien, sondern orientierte sich ausgerechnet ins hypertraditionalistische Bayern. Esteves muss schon damals verstanden haben, dass „Craft“ nicht nur für neuen Geschmack steht, sondern dass es auch radikal handwerklich gebrautes Bier meint. Und an Handwerk ist in Bayern kein Mangel.

Kennt man die Vorgeschichte, kann man erklären, warum aus einer Flasche, die ziemlich hip aussieht, ein uriger Maibock fließt, also ein Starkbier, das alkoholischer schmeckt als das typische bayerische Helle und auch süßer, das sich aber mit spritzigen Noten verabschiedet. Das Beast of The Deep besticht mit Honignuancen, Biskuit, Karamell. Die Süße wird von einer dezenten Hopfennote abgefangen, die an Pfirsich erinnert. Der cremig-schwere Schluck verabschiedet sich leicht vom Gaumen, es bleibt Zitrus in der Nase. Ein süffiges Biest. Bockbier-Trinkern mit Erfahrung mag es fast zu typisch und langweilig vorkommen. Für Neulinge ist es eine Einsteigerdroge.

Beast Of The Deep, Ungefilterter heller Bock, Brewers & Union, Alkohol 6.5 % vol.

 

Ein echtes Übergangsbier

Dass eine Zwischenstation in München nicht schlecht für die Karriere sein muss, gilt nicht nur für den Fussball. 1614 warben die Wittelsbacher den Braumeister Elias Pichler aus der Stadt Einbeck in Niedersachsen an. Sie schätzten das dortige Bier schon seit Jahrzehnten, wegen des Geschmacks und der Haltbarkeit. Nur der Import war Ihnen inzwischen zu teuer geworden. Das „Bier nach Einbecker Art“ wurde mit einem Zug in die bayrische Bierkultur integriert, auch sprachlich, denn „ein“ oder gar „a Einbecker“ bei der Bestellung auszusprechen, das brächte noch heute für so manchen Menschen unterhalb der Mainlinie einen arge Zungenverwicklung mit sich. Aus dem Einbecker wurde also der „Bock“, und unter dieser griffigen Bezeichnung begann das Bier bald seinen Siegeszug nicht nur am Alpenrand, sondern weltweit.

maibockIm Frühjahr wird das Ende der Starkbierzeit mit den Maiböcken eingeläutet. Mit selten mehr als 7 Volumenprozent Alkohol aber ausgeprägter Stammwürze gehören sie zu den leichtesten Varianten des Starkbiers, sind meist untergärig und erinnern daher und auch wegen ihrer hellen Farbe schon etwas an Lagerbier. Diese Frühlingsböcke sind echte Übergangsbiere und auch für den Kenner meist etwas uneindeutig. Sie versuchen oft, das süßlich-malzige Aroma des Starkbieres mit dem spritzigen, bitteren Charakter der helleren, nun im Sommer angesagten Biere zu vereinen.

Ein Maibock, bei dem man das ganz prägnant auf der Zunge spürt, stammt aus Sonthofen im Allgäu. Farblich erinnert das Bier an hellen Akazienhonig, in der Nase liegen Pfirsich- und Kräuternoten, der Schaum ist nicht der Rede wert. Beim ersten Schluck des hellen Bocks aus der Privatbrauerei Höss fallen Malz und Karamell deutlich auf, recht süßlich sogar und verraten die bayrische Herkunft. Dann entwickelt das Bier aber doch Rezens, also Spritzigkeit, der Hopfen kommt mit Zitrusklängen ins Spiel. Obwohl auf dem Etikett nur 6,5 Prozent ausgewiesen sind, bleibt das Bier deutlich alkoholisch am Gaumen.

Dieser Maibock ist keine ganz runde Sache, wieder mal nichts Halbes und nichts Ganzes, könnte man sagen. Ganz richtig, genau wie die Jahreszeit. Interessant nämlich: Khler, bei etwa 12 Grad getrunken kommt der bittere Hopfen stärker ins Spiel, und dann eignete sich dieser helle Bock schon ganz hervorragend als Aperitiv am Ende eines warmen Frühlingstag.

Heller Bock
Privatbrauerei Höss / Der Hirschbräu
6,5 % vol. Alkohol, Stammwürze 16,5 %